In meiner Jugend war "geil" ein nicht so gern in der Erwachsenenwelt gehörter Ausdruck. Er implizierte wohl etwas sexuelles. Für uns war das nur sowas wie cool, also positiv gemeint.
Heute gibt es den Ausdruck "behindert" (auch hier oft zu lesen), der negativ gemeint ist. Für "Mist", "schlechtes Benehmen", "doof aussehend" gemeint.... Früher war es "Spasti" -"spastisch"...
Ich habe damit ein Problem - ich mag es nicht, ich sehe einen Zusammenhang, immerhin bin ich auch behindert. Sehbehindert. Mein Kind auch, wir tragen beide eine Brille (nix Dolles, aber Brille).
Wie, außer genau mit diesem eigenen Defizit, kann man diesem "Ausdruck" das Gewicht nehmen?
Oder messe ich dem Ganzen ein zu großes Gewicht zu?
Ist "behindert" ein Ausdruck wie "geil", "hot" ... keine Ahnung (eben in die andere Richtung gedacht)? Vergeht das einfach so? Geht es in den Sprachgerauch über?
Oder ist es irgendwann so wie mit "unseren" Begriffen - wir nutzen "cool" immer noch (im Privaten) und irgendwann werden unsere Kinder ihre Begriffe auch weiter nutzen?
Welche Begriffe/ Worte/ Umschreibungen kennt ihr, die genutzt werden und derzeit bedenklich sind. Oder gar durch den alltäglichen Gebrauch bedenklich/ unbedacht/ ... werden können?
doitsujin752010-09-07T07:14:22Z
Beste Antwort
Solche 'Slang'-Ausdrücke wird es wohl immer geben und auch gegeben haben. In der Vergangenheit waren das natürlich die erwähnten Wörter wie 'geil', 'cool', irgendwann dann auch 'krass', 'fett', 'heftig', 'tight' oder sonst was. Nur am Rande, sehr viele dieser Ausdrücke sind dabei aus dem Englischen übernommen worden und haben ihren Ursprung in der Umgangssprache der Afroamerikaner. Häufig ist es ja so, dass ursprünglich negativ belegte Ausdrücke ins Gegenteil verkehrt werden ('bad meaning good'). Es ist allerdings schon auffällig, dass eben die auffälligsten Neuschöpfungen der letzten Jahre eben nicht diesem Muster folgen, sondern einfach nur das sind, was sie immer schon waren, nämlich einfach negativ und destruktiv. Das empfinde ich nicht nur einfach als unpassend oder nehme daran Anstoß, sondern als bedenklich. Wenn man Wörter wie 'behindert' oder 'Opfer' als Indikator für den Gemütszustand und Zeitgeist unserer Gesellschaft heranzieht, dann sieht es zur Zeit wirklich ziemlich düster aus. Viele hier haben, bewusst oder unbewusst, schon anklingen lassen, dass Sprache situativ abhängig ist. Die Sprache ändert man mit der Sprechsituation, mit seinen Freunden redet man anders als mit der Familie, den Eltern oder in einer formaleren Umgebung und in der Jugend weiß man damit umzugehen, oder lernt es zumindest spätestens dann. So befürchte ich eigentlich nicht, dass sich in naher Zukunft Erwachsene Menschen mit 'du Opfer'-Sprüchen zutönen. Bendenklicher finde ich eher die Geisteshaltung, die sich dahinter verbirgt, weil sie durchblicken lässt, dass die Sprecher mehr oder weniger auf alles zielen, was vermeintlich in der Gesellschaft unter ihnen steht. So lässt sich für mich erahnen, dass die Ellenbogen in den nächsten Jahren wohl eher noch etwas weiter ausgefahren werden und das beunruhigt mich zutiefst. Meiner Meinung nach ist es jedenfalls kein Zufall, dass ein Großteil der in den jüngsten Jahren aufkeimenden Ausdrücke nicht positiv, oder ursprünglich negative und ins positive verkehrte sind, sondern einfach nur plumpe Beleidigungen auf Kosten anderer. Diejenigen hier, die den etwas positiveren Zeitgeist und Optimismus vergangener Jahrzehnte miterlebt haben, dürften eigentlich auch bemerken, dass da momentan was im Argen liegt.
Ej, Alddeee, voll krass deine Frage; ej, eine Glotzhilfe is keine Behinderung, im Gegenteil - da gibt's echt krasse Teile, so mit Flitter dran, obersüss, oder die John-Lennon- modelle , echt goil, ; hab leider die Schxxxxx , dass ich meine 2 geilenTeile immer verlege, das ist echt nervig und voll krass, diese ständige Sucherei, da krieg ich oft nen dicken Hals u könnt alles voll uncool abchillen, Scann halt mal dein Gehirn , wird schon Spritt drin sein, dann lass mal krachen , Oldde u mach nicht sooo krass auf voll uncooles Sozialengaschement, alles klaro ?
ja, das sehe ich auch so. da werden worte verwendet, ohne dass da mal ansatzweise drüber nachgedacht wird, was sie eigentlich aussagen. okay, "geil", "cool" und das ganze ist ja mittlerweile normal. "behindert" finde ich unmöglich, so leichtfertig dahingesagt. mein großer hat deswegen auch schon mal ärger mit´m bruder von seinem kumpel gekriegt. der ist beinamputiert, weil er leukämie hatte. okay, ich sage im eifer des gefechts auch mal "ar*schgeige" zu meinen kindern. ist auch nicht korrekt.. aber ich finde auch, dass der ton die musik macht. ist ja was anderes, wenn man dabei lacht und rumalbert, als wenn man so einen ausdruck in einer ernsten auseinandersetzung verwendet.
Kennen tue ich sehr viele Begriffe - gebrauche sie selbst aber nicht: geil, cool, etc. gehören nicht zu meinem Sprachgebrauch - auch nicht zum Sprachgebrauch meiner Familie, Freunden etc. Wenn ich sie mal gebrauche, ist das eher eine Ironie, Spaß etc.
- ausgenommen mal meinen Nichten und Neffen...gerade die, die so ca. 18 bis 24 Jahre alt sind - die gebrauchen soetwas schon unter ihren Freunden etc. Die können allerdings auch "normal" reden.
Nachtrag: Nur weil ihr eine Brille tragt, seid ihr noch lange nicht behindert! Dann wäre jeder behindert - spätestens ab Mitte 40! :) Eine richtige Sehbehinderung bedeutet schon etwas anderes.